Rühr mich nicht an, Allergen!

Eine Kontaktdermatitis zeigt sich häufig auf dem Handrücken. (Foto: Tharakorn / Fotolia)
Eine Kontaktdermatitis zeigt sich häufig auf dem Handrücken. (Foto: Tharakorn / Fotolia)

Wer unter einer Kontaktallergie leidet, muss den Auslöser der Reaktion konsequent meiden

(dbp/nas) Rötungen und Juckreiz, kleine Knötchen und wässrige Bläschen – das sind klassische Symptome einer allergischen Reaktion. Bei einer Kontaktdermatitis (auch Kontaktekzem genannt) entwickelt sich diese Hautreaktion dort, wo das Allergen, also der allergieauslösende Stoff, auf den Körper trifft. Am häufigsten sind die Hände von einer Kontaktdermatitis betroffen, die Symptome zeigen sich vor allem auf dem Handrücken.

Oft wird ein Kontaktekzem nicht ernst genug genommen, sagt der Göttinger Universitäts-Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen. Aber auch, wenn die ersten Anzeichen vielleicht nicht unbedingt dramatisch anmuten – aus der akuten Reaktion kann eine chronische Erkrankung werden, die bei vielen Menschen sogar zu einer Berufsunfähigkeit führt, warnt der Arzt.

Einzige Therapie: strikte Kontaktsperre

Wird die Haut wiederholt mit einem Stoff konfrontiert, den der Körper nicht verträgt, setzt ein Sensibilisierungsprozess ein, der in eine Kontaktdermatitis mündet. Jeder Kontakt ruft dann erneut eine allergische Reaktion hervor. Wird die Erkrankung chronisch, breitet sie sich auch auf andere Körperbereiche aus und die Haut verdickt sich und schuppt, erklärt Professor Fuchs. Warum es bei manchen Menschen zu einer Ekzemauslösung kommt und bei anderen nicht, ist unklar. „Es gibt aber nur eine Therapie: den Kontakt mit den krankmachenden Stoffen vermeiden“, so der Experte.

Meist sind es sogenannte niedermolekulare Stoffe, die eine Kontaktdermatitis auslösen. Nickel steht auf Platz 1 bei den Allergenen, aber auch Chrom- und Kobaltverbindungen, Duft- und Konservierungsstoffe, Acrylate und Harze werden von vielen Menschen nicht vertragen. Nickel wird in Schmuck und vielen Piercings verarbeitet, Chrom kommt zum Beispiel in Leder, in Schutzhandschuhen oder in Zement vor und Farbstoffe stecken sowohl in Haarkolorationen wie auch in Kleidungsstücken.

Bei Bäckern und Konditoren, bei Friseuren und Metallarbeitern, in Bau- sowie in den Heil- und Pflegeberufen treten Kontaktekzeme am häufigsten auf. Nicht selten müssen Betroffene ihren Beruf deswegen aufgeben – mit weitreichenden psychosozialen und wirtschaftlichen Folgen. Deshalb ist es laut Professor Fuchs so wichtig, schon die ersten Anzeichen einer möglichen Unverträglichkeit ernst zu nehmen.

Behandlung mit Kortison im Akutstadium

Ein Dermatologe beziehungsweise Allergologe kann mit einem sogenannten Patch-Test (Epikutantest) eine Kontaktallergie nachweisen. Die 30 bis 40 gängigsten Allergene werden damit abgedeckt – nur sehr wenige spezielle Stoffe erfasst der Test nicht, erläutert Professor Fuchs. Im akuten Stadium muss die Haut mit Kortison behandelt werden – „da hilft kein Wegbeten und kein Kupferarmband“, so der Experte. Man müsse „klotzen“, eben auch, um die Berufsfähigkeit der Betroffenen zu erhalten.

Eine dramatische Zunahme an Kontaktallergien sei in den vergangenen Jahren durch Isothiazolinone (Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten, Reinigungsmitteln, Farben und Lacken) zu verzeichnen, sagt Professor Fuchs. Hier sei ein Verbot die konsequente Forderung. Außerdem warnt er, dass auch natürliche Stoffe, die an sich nicht als gefährlich, sondern vielleicht sogar als gesund gelten, zu Kontaktdermatitis führen können – zum Beispiel Teebaumöl oder Propolis (Bienenharz).

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