Rotaviren sind hochgradig ansteckend

Bei kleinen Kindern – und bei alten Menschen – kann eine Rotavirus-Infektion einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich machen. (Foto: Bernd Libbach / Fotolia)
Bei kleinen Kindern – und bei alten Menschen – kann eine Rotavirus-Infektion einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich machen. (Foto: Bernd Libbach / Fotolia)

Gegen den „rollenden“ Durchfall-Erreger gibt es einen Impfschutz

(dbp/mhk) Rotaviren sind die weltweit häufigsten Erreger für Brechdurchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 500.000 Kinder an einer Rotavirus-Infektion, die zu starken Flüssigkeitsverlusten führen kann. Dr. Hermann Josef Kahl, Sprecher der Kinderärzte Nordrhein, beruhigt aber: „Heutzutage sind diese schwersten Durchfallerkrankungen mit Erbrechen nicht mehr lebensgefährlich, da es eine gute medizinische Versorgung gibt.“ Dennoch belasten sie die Kleinen derart schwer, dass Eltern und Kinderärzte tagelang gefordert sind oder sogar ein Klinikaufenthalt erforderlich ist, um schwere Folgen abzuwenden.

Ansteckung ist unvermeidbar

Der Name Rotavirus beruht auf der radähnlichen Struktur der etwa 76 Nanometer kleinen Viren. Und sie rollen meist unaufhaltsam – über die Hand in den Mund: Die Pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis (PRG) ist eine klassische Kinderkrankheit, die sich als Tröpfchen- oder Schmierinfektion überträgt – über verschmutzte Hände oder Gegenstände, aber auch durch verschmutztes Wasser und Lebensmittel. Geschwister-, Krabbelgruppen- oder Kindergartenkinder sind daher besonders ansteckungsgefährdet. „Bei Neugeborenen und Kleinkindern sind Rotaviren die Hauptursache für eine erworbene Darm-Infektion, die im Krankenhaus behandelt werden muss. Erwachsene bekommen diese Form des Durchfalls nur, wenn sie sie als Kind noch nicht hatten“, erläutert der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Dr. Kahl.

Unabhängig von hygienischen Verhältnissen hat jedes Kind bis zu seinem fünften Lebensjahr mindestens eine Rotavirus-bedingte Durchfallerkrankung hinter sich. Der Kontakt mit den sehr widerstandsfähigen Viren ist nahezu unvermeidbar. Daher kommt es immer wieder zu Ausbrüchen in Kindereinrichtungen und Kinderkliniken. In der kalten Jahreszeit umso häufiger, denn, so fanden britische Forscher heraus, die Viren mögen kühle Temperaturen. „Umso wichtiger ist es, dass die Symptome der Erkrankung schnell erkannt werden“, so Kahl. Nachgewiesen werden die Viren mit verschiedenen Methoden schnell in einem Labor direkt im Stuhl des erkrankten Kindes.

Gefährlicher Flüssigkeitsverlust

Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage. „Es beginnt mit Durchfall, bei bis zu 96 Prozent zudem Erbrechen, anschließend Fieber“, erklärt Kahl. Die Durchfälle halten zwei bis drei Tage länger an als bei anderen Durchfallerkrankungen. Oft kommen Atemwegsbeschwerden wie Husten oder Schnupfen dazu. Wichtig: viel Flüssigkeit. Kann der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen werden, muss stationär mit Infusionen versorgt werden.

Der wirksamste Schutz gegen Rotaviren ist die Schluckimpfung. Es gibt zwei Schluckimpfstoffe, die bei Säuglingen ab sechs Wochen anwendbar sind und sehr effizient schützen. Innerhalb der ersten 26. Lebenswochen sollten sie – je nach Impfstoff – zwei- bzw. dreimal (mit einem Mindestabstand von vier Wochen) verabreicht werden. Für ältere Kinder wird dieser Schutz nicht mehr empfohlen: Ab dem zweiten Lebensjahr hat der Körper in der Regel genug Antikörper aufgebaut.

Die Grundimpfung kostet etwa 135 bis 150 Euro. Bundesweit wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) bislang zwar nicht empfohlen, aber einige Kassen erstatten die Kosten. Auf der Homepage des Berufsverbandes der Kinderärzte gibt es eine Liste mit den Krankenkassen, die die Rotavirus-Impfung bezahlen (www.kinderaerzte-im-netz.de). Die Impfstoffe sind gut verträglich und können neben der Sechsfachimpfung und Pneumokokken-Konjugat-Impfung gegeben werden.

Aktuelle Ergänzung: Seit August 2013 ist die Rotavirus-Schluckimpfung Bestandteil der STIKO-Empfehlungen und aufgrund der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) aus dem Dezember 2013 auch eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen.

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