Rhythmusstörungen: Das “fehlgezündete” Herz
Herzrhythmusstörungen können zwar ungefährlich sein, auf die leichte Schulter sollte man sie trotzdem nicht nehmen. (Foto: R. Byron/Fotolia) Normalerweise schlägt das Herz im regelmäßigen Takt. Wer unter Herzrhythmusstörungen leidet, bei dem kommt es jedoch zu „Fehlzündungen“ der Taktgeber.
Dann ist die Schlagfolge entweder verlangsamt oder es treten zusätzliche Herzschläge (Extrasystolen) auf. „Rhythmusstörungen sind keine eigentliche Krankheit, sie sind ein Symptom einer ihnen zugrunde liegenden Herzerkrankung“, erklärt Professor Dr. Bernhard Maisch, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg.
Herzrhythmusstörungen können angeboren sein oder bei einer erworbenen Erkrankung des Herzens auftreten – bei einem Klappenfehler, einem kranken Herzmuskel, Bluthochdruck, einer Entzündung des Herzens oder Herzbeutels oder einer koronaren Herzerkrankung, sagt Professor Maisch. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann die Ursache sein, ein gestörter Elektrolythaushalt oder eine Operation. Außerdem kann der starke Konsum von Genussgiften wie Alkohol, Kaffee und Nikotin Rhythmusstörungen auslösen.
Vorhofflimmern: das elektrische Chaos
Störungen im Bereich der Vorhöfe (supraventrikulär) treten auf, wenn der Haupt-Taktgeber, der Sinusknoten, nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert, erläutert Professor Maisch. Besonders häufig dabei: das sogenannte Vorhofflimmern. Dabei kreisen in den Vorhöfen elektrische Wellen mit einer so hohen Frequenz, dass die Vorhöfe sich nicht mehr zusammenziehen können, sondern nur noch flimmern – es herrscht gewissermaßen ein elektrisches Chaos.
Das Vorhofflimmern ist laut Maisch eine regelrechte Epidemie: Rund zwei Millionen Deutsche leiden darunter. Es sei zwar nicht lebensgefährlich, aber auch nicht harmlos. Vor allem, weil – ausgehend von Gerinnseln, die sich in den Vorhöfen bilden – die Gefahr einer Embolie und damit auch eines Hirnschlags steigt. Etwa 30.000 Schlaganfälle pro Jahr gehen laut der Deutschen Herzstiftung auf Vorhofflimmern zurück.
Bei Auffälligkeiten zum Kardiologen
Wenn die Problemursache in einer der beiden Herzkammern liegt, werden die Herzrhythmusstörungen ventrikulär genannt. Dies komme häufig bei Menschen mit einer Herzschwäche vor, erklärt Professor Maisch. Bei zu schnellem Puls (Kammertachykardie) sind die Patienten vom plötzlichen Herztod bedroht. Ein Defibrillator – also ein Gerät, das einen Elektroschock abgibt – kann im Notfall Leben retten. Besonders gefährdete Patienten bekommen ein solches Gerät im Mini-Format in die Brust implantiert.
„Jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben Unregelmäßigkeiten des Herzschlags – häufig, ohne es zu merken“, so die Deutsche Herzstiftung. Ob die Störungen harmlos oder gefährlich sind, kann aber nur ein Arzt feststellen. Deshalb sollte man einen Kardiologen aufsuchen, sobald man etwas bemerkt, rät Professor Maisch. Vor allem dann, wenn Symptome wie Schwindel und Kopfweh auftreten oder die Leistungsfähigkeit sinkt.

