Piksen, bevor die Pollen fliegen

Den Frühling unbeschwert genießen – das ist nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung auch für Pollenallergiker wieder möglich. (Foto: MAST / Fotolia)
Den Frühling unbeschwert genießen – das ist nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung auch für Pollenallergiker wieder möglich. (Foto: MAST / Fotolia)

Patienten mit Heuschnupfen kann mit einer Hyposensibilisierung geholfen werden

(dbp/wgt) Wenn im Frühling die ersten Pollen fliegen, dann beginnt für viele Allergiker die Zeit der Qualen. Juckende Augen, tropfende Nase und ein ständiger Niesreiz sind die typischen Symptome des Heuschnupfens. Jeder fünfte Deutsche ist laut Deutschem Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte mittlerweile davon betroffen. Medikamente lindern zwar die Beschwerden, gegen die Ursachen der Allergie helfen sie jedoch nicht.

Experten raten deshalb zu einer Hyposensibilisierung. Sie setzt dort an, wo die Pollenallergie entsteht: im Immunsystem. Denn das reagiert bei Heuschnupfenpatienten überempfindlich auf die an sich harmlosen Blütenpollen in der Luft. Bei einer Hyposensibilisierung verabreicht der Arzt den Betroffenen kleine Mengen der allergieauslösenden Substanz. Während der Behandlung wird nach und nach die Dosis erhöht, damit sich das Immunsystem langsam an das Allergen gewöhnt und weniger sensibel reagiert. Ärzte sprechen folglich auch von einer spezifischen Immuntherapie (SIT).

Behandlung ist langwierig

Wer sich einer Hyposensibilisierung unterzieht, braucht allerdings Geduld, denn die Behandlung erstreckt sich meist über drei bis fünf Jahre. Der behandelnde Arzt klärt zunächst ab, auf welche Pollen der Patient allergisch reagiert. Steht der Allergieauslöser fest, setzt die Therapie einige Monate vor Beginn des jeweiligen Pollenfluges ein, häufig also bereits im Herbst oder Winter. Für gewöhnlich erhält der Patient das Allergen als Injektion unter die Haut des Oberarms. In der ersten Phase wird das Extrakt wöchentlich mit steigender Dosierung verabreicht, bis die maximale Dosis erreicht ist. Während der eigentlichen Heuschnupfensaison muss der Patient dann nur noch einmal im Monat zum Arzt.

Wem das zu lange dauert, der kann sich auch für eine Kurzzeittherapie entscheiden. Sie beginnt erst kurz vor Beginn der Pollensaison. Dabei wird die Dosierung des Allergens sehr schnell erhöht, sodass schon vier bis acht Injektionen in kurzen Abständen ausreichen, um zur Maximaldosis zu gelangen.

Tabletten statt Spritzen

Als Alternative zur Injektion unter die Haut kann das Allergen auch in Tropfen- oder Tablettenform eingenommen werden. Bei dieser Methode genügt es in der Regel, wenn der Patient zur erstmaligen Behandlung beim Arzt erscheint. Danach kann die Einnahme auch zu Hause erfolgen.

Obwohl die Hyposensibilisierung als risikoarm gilt, kann es danach gelegentlich zu allergischen Reaktionen kommen. Diese können von Rötungen und Quaddeln an der Einstichstelle über Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen bis hin zum eher seltenen anaphylaktischen Schock reichen. Deshalb ist es notwendig, dass die Patienten nach einer Injektion noch eine halbe Stunde in der Praxis bleiben. Bei der Einnahme von Tabletten oder Tropfen kommt es häufiger zu einem Kribbeln auf der Zunge. Schwere Nebenwirkungen sind dabei bislang nicht aufgetreten.

Der Berufsverband der HNO-Ärzte beziffert die Erfolgsquote bei einer Hyposensibilisierung mit 90 Prozent. Sollten dennoch wieder einmal allergische Reaktionen auftreten, kann der Allergieauslöser nochmals über einen kurzen Zeitraum verabreicht werden.

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