Pflege: Im Heim zählt die Lebensqualität

Soziale Aktivitäten, die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – all das spielt neben der pflegerischen Qualität eine extrem wichtige Rolle für Heimbewohner. (Foto: iofoto/Fotolia)
Soziale Aktivitäten, die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – all das spielt neben der pflegerischen Qualität eine extrem wichtige Rolle für Heimbewohner. (Foto: iofoto/Fotolia)

Das Projekt heimverzeichnis.de will Pflegebedürftige bei der Auswahl des neuen Wohnorts unterstützen.

In den nächsten Jahren steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nach Prognosen des Statistischen Bundesamts rasant an. Gleichzeitig erschwert die wachsende Mobilität den Familien die Pflege von Angehörigen zuhause. Oft muss also ein Senioren- oder Pflegeheim als Lösung her – doch in welchem könnte sich Mutter, Vater oder Tante tatsächlich respektiert und wohlfühlen?Die Wahl fällt nicht leicht – zumindest dann, wenn es im Umkreis mehrere Anbieter gibt. Prospekte von Pflegeeinrichtungen zu lesen, reicht dabei nicht aus, denn sie geben erstens nur einen kleinen Ausschnitt des Alltags im Heim wieder und zweitens wird kein Heim in einem Werbeprospekt auf Defizite hinweisen.

Freiheiten in der Lebensführung

Hinzu kommt: In den nächsten Jahren altert eine Generation heran, die sich nicht damit zufriedengeben dürfte, lediglich gut gepflegt zu werden. Was über den fachlichen Aspekt hinaus zählt, ist Lebensqualität und die stützt sich vor allem auf soziale Fragen. Zum Beispiel:

  • Dürfen geliebte Möbel ins Heim mitgebracht und der Wohnbereich individuell gemütlich gestaltet werden?
  • Können Familienangehörige auch außerhalb von Besuchszeiten vorbeikommen?
  • Kann die Lebensführung bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmt werden – etwa was die Kleidung, Weck-, Schlafens- und Essenszeiten angeht?
  • Werden kulturelle, religiöse und weltanschauliche Einstellungen beachtet, zum Beispiel beim Essen?
  • Gibt es Autonomie in finanziellen Angelegenheiten – wird also das persönliche Bargeld nur auf Wunsch vom Heim verwaltet?
  • Gibt es ausreichende Beschäftigungsangebote oder können sich die Bewohner an Gartenpflege, Essenszubereitung und Tisch decken beteiligen?

„Grüner Haken“ für Verbraucherfreundlichkeit

Welche Faktoren schwerer wiegen, welche leichter, hängt von den individuellen Wünschen ab. Um Heim-Suchenden die Orientierung zu erleichtern, hat die Bundesinteressenvertretung der Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter (BIVA) das Internetportal www.heimverzeichnis.de ins Leben gerufen. Darin werden Alten- und Pflegeheime in ganz Deutschland auf ihre Verbraucherfreundlichkeit überprüft. Anbieter, die ihren Bewohnern den größtmöglichen Respekt vor ihrer Privatsphäre, ausreichend Autonomie und soziale Teilhabe gewähren, erhalten als Gütesiegel den „Grünen Haken“. Das Projekt wird vom Bundesverbraucherministerium unterstützt.

Das Problem bislang: Das Verzeichnis ist noch nicht vollständig. Auch liegt es in der Hand der Heime, ob und in welchem Umfang sie ihre Preise und Leistungen kostenfrei auf dem Portal einstellen. Darüber hinaus wurde bis dato nur ein Teil der Heime auf ihre Verbraucherfreundlichkeit geprüft. Die Prüfung ist laut BIVA für die Anbieter kostenfrei, solange das Bundesverbraucherministerium die Arbeit bezuschusst (voraussichtlich bis August 2011).

Internetportale wie das Heimverzeichnis sowie auch die Pflegenoten (Pflege-TÜV) des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) geben hilfreiche Anhaltspunkte bei der Suche nach einem guten Heim. Letztendlich müssen sich Pflegebedürftige und Angehörige aber immer persönlich vor Ort ein Bild machen.

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