Pflaster statt Kippe
Starke Raucher, die nicht einfach so auf Zigaretten verzichten können, können für den Übergang Nikotinersatzmittel nutzen. Foto: BilderboxWarum Nikotinersatzmittel bei der Raucherentwöhnung helfen
Fast ein Drittel der Deutschen greift nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) regelmäßig zur Zigarette. Die Sucht aufzugeben ist extrem schwer.
Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind enorm. Nahezu alle Organe des menschlichen Körpers werden durch das Rauchen angegriffen. „Im Tabakrauch sind fast 5000 verschiedene Substanzen, von denen mindestens 50 krebserregend sind“, sagt Dr. Andreas Waltering vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Viele Menschen wüssten nicht, dass durch das Rauchen nicht nur Lungenkrebs, sondern auch Nierenkrebs, Kehlkopfkrebs, Gebärmutterhalskrebs sowie Krebs in der Mundhöhle und im Kehlkopf verursacht werden könne.
Auch bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Atemwegserkrankungen spiele der Tabakrauch eine große Rolle. Im Schnitt stirbt die Hälfte aller regelmäßigen Raucher an den Folgen des Tabakkonsums, so Dr. Waltering.
Nikotin „belohnt“ den Raucher
Nikotin macht schnell abhängig. Der Grund: Es dockt im Gehirn an Rezeptoren an und führt zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, die auf den Raucher positiv wie ein Belohnungssystem wirken. Jedes Mal, wenn er das Bedürfnis verspürt, sich eine Zigarette anzuzünden, will er unbewusst den gesunkenen Nikotinlevel im Körper ausgleichen. Nach dem ersten Zug ist das Nikotin innerhalb von sieben Sekunden im Gehirn.
Für viele Raucher ist der Entschluss, rauchfrei zu werden, daher nicht einfach. Die meisten zweifeln, ob es ihnen gelingt, ohne Zigarette beim Bier oder nach dem Essen auszukommen oder sie sind überzeugt, sich nur mit einer Zigarette entspannen zu können.
Rituale müssen sich ändern
„Diese Annahme ist natürlich falsch“, sagt Dr. Waltering. Doch um den Absprung zu schaffen, müsse der Raucher lernen, feste Gewohnheiten und Rituale, die mit einer Zigarette verbunden sind, zu ändern. Wer jahrelang regelmäßig geraucht hat, braucht dafür womöglich die Unterstützung durch eine Nikotinersatztherapie oder eine Selbsthilfegruppe.
Wer mit dem Rauchen aufhört, hat häufig in den ersten Tagen Entzugserscheinungen. „Die Betroffenen fühlen sich unruhig, aggressiv oder auch depressiv und haben ein sehr starkes Verlangen zu rauchen“, sagt Waltering. Manche träumen sogar von einer Zigarette.
Mittel für den Nikotinersatz
Diese Entzugserscheinungen ließen sich durch eine Nikotinersatztherapie abmildern, denn Kaugummis, Pflaster und Sprays ersetzen das Nikotin. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Nikotinersatztherapien besonders für die Raucher wirksam sind, die mehr als zehn Zigaretten am Tag rauchen.
„In der Regel“, erläutert Waltering, „wird die Nikotinersatztherapie gut vertragen.“ Anders hingegen sei es mit weiteren Medikamenten, die zur Raucherentwöhnung zugelassen sind. Sie hätten mehr Nebenwirkungen und müssten von einem Arzt verschrieben werden. „Solche Medikamente sollten nur eingenommen werden, wenn nichts anderes mehr hilft“, sagt Waltering.
Weitere Informationen:
- Eine telefonische Raucherberatung bieten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter (01805) 313131 und das Deutsche Krebsforschungszentrum unter (06221) 424200 an.

