Nur schusselig oder schwer krank?
Wirre Worte: Wenn Senioren auf einmal Dinge falsch benennen kann das ein Zeichen für Demenz sein. (Foto: Lupico/Fotolia)Hier und da werden Dinge vergessen, fehlen die passenden Worte, schwanken die Gefühle plötzlich von Ausgeglichenheit bis zur Verärgerung. Ab einer gewissen Stärke sind das die Symptome einer Demenz.
Demenz ist der Oberbegriff für eine über Monate bis Jahre verlaufende Erkrankung des Gehirns. Die Folge: Nach und nach verliert der Betroffene die so genannten kognitiven Fähigkeiten, also zum Beispiel das Gedächtnis, die Sprache oder die Fähigkeit zu lernen und zu planen. Die Fachwelt unterscheidet zwischen der primären und sekundären Demenz. Letztere kann etwa durch Infektionen, Alkoholismus, Parkinson oder Multiple Sklerose ausgelöst werden.
Die Ursachen
Häufigste Auslöser der primären Demenz, die bei 80 bis 90 Prozent der Fälle vorliegt, sind eine Alzheimer-Erkrankung oder die so genannte vaskuläre Demenz. Im Fall von Alzheimer sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab. Die vaskuläre Demenz hingegen entsteht durch viele kleine, teils unbemerkte Schlaganfälle. Möglich sind auch eine Mischung beider Formen sowie weitere Arten wie die Lewy-Körperchen-Demenz (Eiweißablagerungen im Gehirn) oder Morbus Pick.
Einige Warnhinweise
Überwiegend tritt eine Demenz erst nach dem 65. Lebensjahr auf. Im Anfangsstadium ist schwer zu unterscheiden, ob jemand dement ist oder einfach nur vergesslich. Die Experten des medizinischen Wissensnetzwerks evidence der Universität Witten/Herdecke haben deshalb in einer Patientenleitlinie einige Warnzeichen zusammengestellt, mit denen Betroffene sich selbst oder ihre Angehörigen testen können:
- Vergesslichkeit/Orientierung
Termine oder Absprachen vergisst jeder einmal. Ein Alarmzeichen ist aber, wenn sich das Vergessen häuft oder unerklärliche Verwirrtheitszustände auftreten. So kann es auch sein, dass die räumliche und zeitliche Orientierung verloren geht. Menschen verlaufen sich dann in ihrer gewohnten Umgebung oder vergessen den Wochentag.
- Probleme mit alltäglichen Handlungen
Einmal den Topf auf dem Herd vergessen ist normal. Demenzpatienten können sich teils nicht mehr erinnern, dass sie gekocht haben oder hungrig sind. Darüber hinaus werden Gegenstände oft an seltsamen Orten abgelegt – etwa die Brille in der Zuckerdose.
- Sprache und Urteilsfähigkeit
Bei einer Demenz fehlen den Betroffenen oft die richtigen Worte. Die Lücken werden dann manchmal durch unpassende Begriffe ersetzt – etwa die „Zeitung lesen“ durch „das Buch lesen“ oder andere Wörter durch „Dings“. Darüber hinaus kommt es vor, dass Demenzpatienten nicht mehr entscheiden können, welche Kleidung gerade passend ist – also Bluse und Jacke zum Einkaufen, Schlafanzug zum Schlafengehen.
- Veränderung der Persönlichkeit
Warnzeichen sind auch plötzliche Stimmungsschwankungen oder wenn aus der sonst freundlichen Person dauerhaft ein eifersüchtiger, ängstlicher oder verärgerter Mensch wird.
Fallen solche Veränderungen auf, sollte so früh wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann den Verdacht auf Demenz durch eine körperliche und neurologische Untersuchung sowie durch verschiedene Demenz-Früherkennungstests untermauern oder widerlegen. Eine frühe Diagnose ist wichtig, damit die Krankheit so schnell wie möglich behandelt und damit aufgehalten werden kann – heilbar ist sie allerdings nicht.

