Nur ein „Modetrend“?

Die hormonelle Balance wiederherzustellen, sollte das Ziel einer Therapie in den Wechseljahren sein. (Foto: jd-photodesign / Fotolia)
Die hormonelle Balance wiederherzustellen, sollte das Ziel einer Therapie in den Wechseljahren sein. (Foto: jd-photodesign / Fotolia)

Die bioidentische Hormonbehandlung wird immer häufiger angewendet.

(dbp/auh) Es gibt sicher keinen allgemeingültigen, für jede Frau gleichermaßen anwendbaren „Ausweg aus dem Hormondilemma“, wie der Untertitel eines berühmt gewordenen Aufsatzes in der Zeitschrift „Bio“ von Dr. Annelie Scheuernstuhl aus dem Jahr 2006 lautet. Aber der Artikel war damals für viele Leserinnen ein Anstoß, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Hunderte Frauen wandten sich an die Autorin, weil sie mehr erfahren wollten über „Natürliches Progesteron“, wie der Titel lautete. Was hat sich seitdem getan?

Hormone sind nicht sanft, sondern wirkmächtig

Heute meiden die meisten Vertreter der bioidentischen Hormonbehandlung das Adjektiv „natürlich“. Zu viele Missverständnisse können dadurch entstehen. Bioidentische Hormonbehandlung ist keine sanfte Alternativbehandlung, keine Komplementärmedizin und hat eigentlich auch nichts mit Naturheilkunde zu tun. Hormone sind extrem wirkmächtige Stoffe, die den ganzen Organismus vielfältig beeinflussen. Nur Ärzte dürfen sie verschreiben – und das ist auch gut so.

Der Unterschied zur herkömmlichen Hormontherapie liegt nicht in der natürlichen Herkunft der Hormone. Auch Pferdeurin, der Ausgangsstoff für ein häufig eingesetztes Präparat, ein „konjugiertes equines Östrogen“, kommt schließlich aus der Natur. Entscheidend ist vielmehr die chemische Struktur der verabreichten Substanzen. Diese ist in der bioidentischen Hormonbehandlung mit der Struktur der körpereigenen weiblichen Sexualhormone, zum Beispiel Progesteron und Estradiol (das wirksamste Östrogen) identisch. Der zweite, genauso entscheidende Unterschied ist die individuelle Dosierung der Hormone. Nur eine exakte Ermittlung des Hormonstatus vor Beginn der Behandlung ermöglicht die individuell passende Dosierung und Darreichungsform. Dann ist das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen praktisch ausgeschlossen.

Nach Jahrzehnten immer noch nicht anerkannt

Das ergibt sich zum einen aus der jahrzehntelangen Erfahrung von Ärzten und Ärztinnen wie Dr. Annelie Scheuernstuhl, die nach dem hippokratischen Grundsatz „nihil nocere“ (niemals schaden) seit Ende der 1990-er Jahre Frauen und Männer mit bioidentischen Hormonen behandelt. Das zeigt zum anderen auch die internationale Studienlage, wie Dr. Alexander Römmler mitteilt, beispielsweise in dem Aufsatz „Modetrend oder neuer Erkenntnisstand?“ für die Fachzeitschrift „Gynäkologie und Geburtshilfe“ (4/2011).

Die bioidentische Hormonbehandlung ist in den offiziellen Leitlinien der zuständigen medizinischen Fachgesellschaften aber immer noch nicht angekommen. Außerhalb der tonangebenden Verlautbarungen habe sich aber in den vergangenen Jahren durchaus etwas verändert, hat Dr. Scheuernstuhl beobachtet. „Es gibt immer mehr Ärzte die mit bioidentischen Hormonen behandeln, immer mehr Seminare, immer mehr Speichellabors“, sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin, die auch selbst Fortbildungen für Ärzte anbietet.

Als Einstieg in die Thematik empfiehlt sie interessierten Laien ihr Buch „Natürliche Hormontherapie“ (Co-Autorin Anne Hild, Kamphausen-Verlag Bielefeld 2010). Arztlisten mit erfahrenen Therapeuten gibt es auf verschiedenen Internetseiten, zum Beispiel unter www.dr-scheuernstuhl.de/therapeuten.php, www.bioidentische-hormone.net/arzteliste/ oder www.hormon-netzwerk.de/therapeutenliste.

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