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Mit niedriger HPV-Impfrate werden Chancen vertan

HPV-ImpfungEin guter Zeitpunkt für den Beginn der HPV-Impfung wäre die Vorsorgeuntersuchung J1 beim Kinder- und Jugendarzt. (Foto: N-Media-Images / Fotolia)

Bilanz nach fünf Jahren: Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs könnte viel besser sein

(dbp/auh) Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut allen Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Erfolgt die Impfung (drei Injektionen innerhalb von sechs Monaten) vor dem ersten Geschlechtsverkehr, besteht ein sehr hoher Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen.

Fünf Jahre nach Einführung der Impfung konstatieren Vertreter von Ärzteverbänden mit Bedauern, dass in Deutschland nur 20 bis 30 Prozent der Mädchen und jungen Frauen geimpft sind, für die die Impfung empfohlen wird. „Aus medizinischer Sicht ist es sehr bedauerlich, dass Vorbehalte gegenüber der Impfung und vermutlich auch Unwissen offenbar dazu führen, dass nur wenig Mädchen rechtzeitig geimpft werden”, sagt Dr. Michael Wojcinski, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF).

Öffentliche Impfkampagnen fehlen

In Deutschland erkranken jedes Jahr 6.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1.700 sterben daran. Würde die HPV-Impfung besser genutzt, könnten bis zu 70 Prozent davon verhindert werden, sagt Dr. Martin Terhardt, Mitglied der STIKO. Der Kinder- und Jugendarzt bezeichnet die HPV-Impfung als sehr effektiv und gut verträglich. Für die niedrige Impfbereitschaft gebe es viele, unterschiedliche Gründe. Eine der Hauptursachen sei das Fehlen staatlicher Impfprogramme in Deutschland. Überall dort, wo Schulbehörden, Gesundheitsämter oder andere öffentliche Einrichtungen über die Impfung aufklären und diese auch organisieren, seien die Impfquoten deutlich höher Beispiel Großbritannien: Dort haben 80 Prozent der zwölfjährigen Mädchen alle drei Impfdosen erhalten.

In Deutschland wäre die jugendärztliche Vorsorgeuntersuchung J1, die von allen Kassen bezahlt wird, die beste Gelegenheit zum Beginn der HPV-Impfung, da sie für Jugendliche ab dem 12. Geburtstag angeboten wird. Diese Untersuchung werde aber von allen kinder- und jugendärztlichen Früherkennungsuntersuchungen am wenigsten in Anspruch genommen, sagt Terhardt. Für Zwölfjährige sei das Thema Krebs noch sehr weit weg, außerdem sei es ohne ein organisiertes Recall-System schwierig, die Verabreichung aller drei Impfdosen sicherzustellen.

Konisationen bergen Risiken

Angesichts der niedrigen Impfrate werde eine große Chance verspielt, nämlich die Zahl der Konisationen (Eingriffe am Muttermund) zu reduzieren, findet Professor Klaus Friese, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Eine Konisation wird erforderlich, wenn bei der gynäkologischen Untersuchung auffällige Zellveränderungen (Krebsvorstufen) gefunden wurden. Bei dem Eingriff wird unter Vollnarkose Gewebe aus dem Gebärmutterhals geschabt und anschließend im Labor ausgewertet. In Deutschland werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich etwa 140.000 dieser für Frauen psychisch und körperlich sehr belastenden Eingriffe vorgenommen. Laut Professor Friese haben diese Eingriffe eine Komplikationsrate von zwei bis sieben Prozent und können das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöhen, weil der Gebärmutterhals durch die Operation an Stabilität verliere.

Sehr hoher Schutz bei frühzeitiger Impfung

„Nun zeigten Studien, dass Mädchen, die zum Zeitpunkt der Impfung noch nicht mit HPV infiziert sind, zu 93 Prozent vor Krebsvorstufen durch HP-Viren geschützt sind“, erläutert der Direktor der Kliniken und Polikliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in München-Grosshadern und Innenstadt.

Dennoch haben auch geimpfte Mädchen und Frauen keinen 100-prozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Darauf haben Kritiker der Impfung aber auch Impfbefürworter immer wieder mit Nachdruck hingewiesen: Die jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt hat durch die Einführung der HPV-Impfung nichts an ihrer Bedeutung und Wichtigkeit verloren. Ein auffälliger Befund im Pap-Abstrich oder der Kolposkopie kann Vorstufen weiterer Krebsarten anzeigen und auch auf andere Erkrankungen hinweisen.

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