Krampfadern – mehr als nur ein optisches Problem
Krampfadern sind oft genetisch bedingt. Sie sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. (Foto: Amridesign/Fotolia)Manche sehen aus wie feine Pinselstriche, manche treten dick und geschwürartig hervor – Krampfadern, in der medizinischen Fachsprache Varizen genannt.
Viele Betroffene glauben fälschlicherweise, Krampfadern seien nur ein ästhetisches Manko, sagt Professor Eberhard Rabe, Vorsitzender der Deutschen Venengesellschaft. Aber: Lediglich die berühmten Besenreiser, bei denen das Problem auf kleine und kleinste Gefäße beschränkt ist, sind tatsächlich harmlos. Je größer die Krampfader und damit die Störung des Blutabstroms ist, desto gefährlicher ist sie auch. Außerdem steigt das Risiko für Thrombosen und damit für lebensbedrohliche Lungenembolien.
Primäre Varizen
Als primäre Varizen werden Krampfadern bezeichnet, die durch geschwächte Venenwände und -klappen im oberflächlichen Venensystem entstehen. Oft wird die Veranlagung dazu vererbt. Frauen haben ein erhöhtes Risiko, weil sie tendenziell über schwächeres Bindegewebe verfügen – zudem ist das Alter ein entscheidender Faktor.
Auch Bewegungsmangel, Übergewicht, Nikotinkonsum und hormonelle Veränderungen spielen nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Internisten eine Rolle. Deshalb sind auch Schwangere besonders gefährdet.
Sekundäre Varizen
Bei sekundären Varizen ist die Ursache eine Störung im tiefen Venensystem, zum Beispiel hervorgerufen durch einen Tumor oder eine Thrombose. Das Blut wird dadurch in die oberflächlichen Venen umgeleitet.
Die Folgen sind in beiden Fällen: eine Stauung und ein vermehrter Rückfluss des venösen Blutes. Der erhöhte Druck schädigt die Venen – und auch das umliegende Gewebe. Krampfadern können unbehandelt zu Stauungsausschlägen, Geschwüren und zum offenen Bein führen sowie Erkrankungen des tiefen Venensystems verursachen.
Veröden oder operieren?
Um Krampfadern zu beseitigen, gibt es mehrere Methoden. Beim Veröden (Sklerosierung) werden entweder flüssige oder mit Luft aufgeschäumte Substanzen in die Vene gespritzt, die diese dann verschließen.
Das sogenannte Stripping ist eine Operation, bei der die Krampfadern mit einer Sonde aus dem Bein herausgezogen werden. „Das ist kein riesiges blutiges Verfahren“, erklärt Professor Eberhard Rabe. Allerdings sei es technisch möglich, rund 80 Prozent der Stripping-Operationen durch modernere Verfahren zu ersetzen, schätzt er. Dies sei allerdings eine Kostenfrage.
Vorbeugen ist schwer
Verhindern könne man Krampfadern nicht, sagt der Experte. Allerdings sei es sinnvoll, Übergewicht abzubauen und sich möglichst viel zu bewegen. Jeder, der viel sitzen oder stehen muss, sollte ebenso Kompressionsstrümpfe tragen wie Schwangere und ältere oder venenkranke Menschen bei längeren Flugreisen.
Der Berufsverband Deutscher Internisten rät außerdem, regelmäßig Ausdauersport zu treiben und auf beengende Kleidung und zu hohe Absätze zu verzichten.
Sonnenbäder und Saunagänge können sich negativ auswirken, weil hohe Temperaturen die Blutgefäße erweitern. Wechselduschen und Kaltwasseranwendungen hingegen verbessern die Blutzirkulation.

