Kinesiologie: Muskeln als Spiegel der Gesundheit

Körperliche und seelische Probleme offenbaren sich in der Stärke des Muskelwiderstands – davon sind Kinesiologen überzeugt. (Foto: S. Redel/Fotolia)
Körperliche und seelische Probleme offenbaren sich in der Stärke des Muskelwiderstands – davon sind Kinesiologen überzeugt. (Foto: S. Redel/Fotolia)

Kinesiologen nehmen die Muskeln unter die Lupe, um die Ursache von Beschwerden aufzuspüren.

„Kinesis“ lautet das griechische Wort für Bewegung. Daraus leitet sich der Name der Kinesiologie ab – einer alternativen Behandlungsmethode, die körperlichen und seelischen Beschwerden anhand von Muskeltests auf den Grund gehen will. Die Angewandte Kinesiologie wurde in den sechziger Jahren von dem amerikanischen Chiropraktiker George Goodheart entwickelt. Grundlage ist die Annahme, dass sich psychische und physische Störungen im Menschen im Funktionszustand seiner Muskeln widerspiegeln.

Dem Druck standhalten

Deshalb versucht der Kinesiologe mit Muskeltests, den Körper direkt nach seinen Schwachstellen zu befragen. Dabei übt er Druck auf einen bestimmten Körperteil aus, meist einen Arm oder ein Bein.

Der Patient soll versuchen, dem Druck standzuhalten, während der Therapeut Fragen stellt oder die andere Hand des Patienten über eine Organregion legt, die geprüft werden soll. Bleibt der Muskelwiderstand dabei stark, ist auch das Organ stark – so in etwa lautet das Prinzip der Kinesiologie. Es fußt auf das chinesische Modell eines Energieflusses durch den Körper, der Krankheitssymptome verursacht, wenn er gestört wird.

Muskeltest zur Therapiesuche

Das Gleiche soll auch mit psychischen Problemen funktionieren: „Wenn der Patient an etwas denkt, das ihm Stress bereitet, geht sein Arm runter. Denkt er an etwas, das ihm gut tut, bleibt der Arm stark“, sagt Klaus Wienert, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie.

Die Muskeln sollen dem Kinesiologen aber nicht nur helfen, die Problempunkte zu finden, sondern auch die passende Therapie. Einem Patienten mit Husten könne man zum Beispiel verschiedene Heilmittel in die Hand geben und an der Stärke des Muskelwiderstands ablesen, welches das richtige für ihn ist, erklärt Wienert.

Vielfältige Anwendungsbereiche

Kinesiologie findet in vielen Bereichen Anwendung: zum Beispiel bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, Funktionsstörungen der Organe, psychosomatischen Beschwerden, Lebensmittelallergien und Befindlichkeitsstörungen aller Art. Angewandt wird sie meist von Heilpraktikern, Ärzten für Naturheilkunde und Physiotherapeuten, teils auch in der Zahnmedizin und sogar der Pädagogik. Zahnärzte nutzen sie zum Beispiel, um die Funktion der Kiefergelenke zu überprüfen.

Allerdings sprechen Kritiker der Methode die Wirkung ab. Stiftung Warentest urteilt zum Beispiel, der Muskeltest sei rein subjektiv und könne manipuliert werden. Zudem gebe es keine wissenschaftlichen Dokumentationen, die die Zuverlässigkeit der Diagnosen belegen. Laut Heilpraktiker Klaus Wienert liegt das auch daran, „dass die Wissenschaft keine Möglichkeit hat, bestimmte Dinge nachzuweisen.“ Die Erfahrung in der Praxis bestätige den Ansatz der Methode, sagt er.

Eine Sitzung beim Kinesiologen kostet je nach Art der Behandlung zwischen 50 und 200 Euro und dauert etwa eine Stunde. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür nicht.

  • Zuguterletzt Wienerts Anleitung für eine kinesiologische Übung, die fit für den Tag machen soll: Legen Sie eine Hand an die Stirn, die andere an den Hinterkopf und atmen dreimal tief durch. Denken Sie an eine stressbeladene Situation und lassen diese wie einen Film ablaufen. Spüren Sie, wie sich Ihr Gefühl verändert und Sie ruhiger werden, vielleicht sogar kreative Ideen auftauchen. Die Übung sollte ein bis dreimal täglich wiederholt werden, am besten eine Woche lang.

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