Kleinkinder sollten erst dann Schuhe tragen, wenn sie laufen können. (Foto: M. Fenske/Fotolia)Fehlstellungen sind beim Nachwuchs häufig angeboren.
Ebenso wie bei Erwachsenen gibt es auch bei Kindern Fußfehlstellungen. Sie sind in der Regel angeboren oder entstehen im Laufe der Zeit durch Bindegewebsschwäche, Übergewicht oder Veranlagung. „Kinder sollten erst Schuhe tragen, wenn sie anfangen, laufen zu lernen“, sagt Dr. Christina Stukenborg-Colsman, Leiterin der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Annastift. Geeignet seien für den Anfang Lauflernschuhe, die in der Regel sehr weich gearbeitet sind und den kindlichen Füßen nicht schaden.
Viel barfuß laufen
Darüber hinaus tue es den Kleinen gut, möglichst viel barfuß zu laufen. „Viele Kinder“, erläutert die Orthopädin, „haben einen angedeuteten flexiblen Knick-Senkfuß.“ Er ist durch ein Abknicken der Ferse nach außen sowie eine Abflachung des Fußgewölbes gekennzeichnet.
Das sei im Kindesalter normal und müsse nicht zwangsläufig behandelt werden. Wenn das Kind älter wird und schließlich doch eine Einlage verordnet bekommt, sollte diese jährlich erneuert werden.
In der Regel habe sich auch eine Fußgymnastik von sechs bis zehn Sitzungen bewährt. Danach sollte das Kind zu Hause selbstständig weiterüben. Solange der Knick-Senkfuß schmerzfrei ist, müsse nicht therapiert werden, sagt Dr. Stukenborg-Colsman.
Häufige Fehlstellungen bei Kindern
Zu den angeborenen Fußdeformitäten zählen der Klumpfuß, der Hackenfuß, der Sichelfuß sowie der Plattfuß.
Klumpfuß meint eine komplexe Deformität des Fußes, die aus mehreren Komponenten wie Spitzfuß, Hohlfuß und Sichelfuß besteht. Jede dieser Komponenten kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, sodass es zahlreiche Varianten für ein und dieselbe Erkrankung gibt. In sehr schweren Fällen muss der Klumpfuß operativ korrigiert werden.In der Regel ist bei den betroffenen Kindern der Gang stark beeinträchtigt und ärztlich verordnete Maßschuhe sind notwendig.
Beim Hackenfuß ist der Fuß abnorm nach oben gezogen und kann je nach Schweregrad nur bedingt gesenkt werden.
Beim Sichelfuß sind der Vorderfuß sowie die Zehen nach innen gedreht. Der Sichelfuß zählt mit zu den häufigsten kindlichen Fußdeformitäten.
Einlagen und Gymnastik
Die Therapie hängt immer von der Art und Schwere der Fehlstellung ab. Bewährt hat sich spielerische Fußgymnastik, viele Ärzte verordnen auch korrigierende Einlagen, die vom Orthopädietechniker hergestellt werden. Allerdings sind die Experten hier nicht immer einer Meinung: Manche proklamieren, Kinderfüße bräuchten gar keine Einlagen.
Der Kinderfuß ist sehr elastisch und passt sich einer Korrekturstellung problemlos an. Bei starken Beschwerden aufgrund der Fehlstellung können auch korrigierende Gipsverbände, Schienen, Maßschuhe oder Krankengymnastik notwendig sein.
Kinderfüße brauchen Reize
„Erst wenn ein zwölf- bis vierzehnjähriges Kind beim Sport oder Spazierengehen schnell ermüdet und über Schmerzen im Fuß klagt, sollte über eine Einlagenversorgung nachgedacht werden“, sagt Dr. Stukenborg-Colsman.
Grundsätzlich sei es für eine gesunde Entwicklung von Kinderfüßen wichtig, dass sie sich viel bewegen, viele Reize sowie Bodenkontakt haben. Barfußlaufen auf weichem Grund mache nicht nur Spaß, sondern beanspruche auch viele Muskeln, die sonst verkümmern.