Kaiserschnitt: Gebären durch den Bauch
Schematische Darstellung eines Kaiserschnitts: Immer mehr Kinder werden durch die Bauchdecke geboren. (Grafik: Dan Race/Fotolia)Immer mehr Kinder kommen nicht auf natürlichem Weg auf die Welt, sondern per Sectio.
Die Zahl der Kaiserschnitte in Deutschland steigt: Kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1997 noch 17 Prozent der Babys in Deutschland durch einen Kaiserschnitt zur Welt, waren es 2009 bereits etwa ein Drittel (31 Prozent). Doch was sind die Gründe dafür, dass die Zahl der Schnittentbindungen so stark gestiegen ist und wann ist ein Kaiserschnitt wirklich notwendig? „Es gibt mehrere Ursachen, warum die Zahl der Kaiserschnitte steigt“, sagt Professor Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung für Geburtshilfe am Universitätsklinikum Jena. Zum einen sei das Alter der Schwangeren im Schnitt auf 31 Jahre gestiegen, was auch die Risiken für Schwangerschaft und Geburt erhöhe. Zum anderen habe sich die Bewertung der Risiken gewandelt: „Heute bringt in Deutschland eine Frau laut Statistik 1,3 Kinder zur Welt, das heißt, es bleibt oft bei nur einer Geburt. Und die hat dann einen ganz anderen Stellenwert als früher – die Aufmerksamkeit, die möglichen Komplikationen geschenkt wird, ist größer.“
Außerdem gebe es durchaus auch den „Kaiserschnitt auf Wunsch“, den manche Frau einfordere, obwohl es keinen medizinischen Grund dafür gibt. Hintergrund sei der Wunsch nach Planbarkeit oder aber die Angst vor der Geburt. Viele Frauen seien nicht ausreichend über die Risiken informiert, die ein Kaiserschnitt mit sich bringt. „Das ist eine große Bauch-Operation“, sagt Professor Schleußner.
Ungünstige Kindslage, auffälliger Herzschlag
Gründe für eine „primäre Sectio“, den geplanten Kaiserschnitt vor oder mit Eintritt der Wehen, seien mütterliche oder kindliche Erkrankungen, die eine vaginale Geburt von vorneherein ausschließen. Außerdem eine Kindslage, die die natürliche Geburt riskant macht, oder beispielsweise eine Plazenta, die vor dem Muttermund liegt. Gründe für die „sekundäre Sectio“ im Verlauf der Geburt sind Komplikationen wie Herzfrequenzauffälligkeiten beim Kind oder ein für Mutter und Kind zu belastender Geburtsstillstand.
Auch wenn ein Kaiserschnitt in solchen Fällen notwendig ist, bleiben Risiken: So haben die Babys laut Professor Schleußner teils Anpassungsstörungen und Probleme mit der Atmung. Für die Mutter bedeutet der Kaiserschnitt Wundschmerzen und eine verlängerte Zeit im Krankenhaus. Auch erhöhe sich das Risiko für eine Komplikation in der nächsten Schwangerschaft.
Mutter kann die Geburt miterleben
Beim Kaiserschnitt wird der Bauch der Schwangeren mit einem Schnitt geöffnet, um das Kind direkt aus der Gebärmutter auf die Welt zu holen. Der Eingriff kann meist unter regionaler Betäubung durch Spinal- oder Periduralanästhesie (PDA) stattfinden, sodass die Mutter die Geburt miterleben kann. Auch der Vater kann in der Regel dabei sein.
Um das Kind auf die Welt zu holen, wird ein horizontaler Schnitt oberhalb der Schamhaargrenze gesetzt und die Bauchdecke Schicht für Schicht geöffnet. Das Kind wird aus der Gebärmutter gehoben und abgenabelt. Mutter und Vater können das Neugeborene sofort sehen und begrüßen. Die Gebärmutter und die einzelnen Bauchschichten werden dann wieder vernäht; im Anschluss an die OP bleibt die Mutter drei bis sechs Tage im Krankenhaus.

