Junge Rheumatiker: Lieber schwimmen statt boxen
Aktiv sein gibt kleinen Gelenk-Patienten ein gutes Gefühl.
Sich viel bewegen und dabei so wenig belasten wie möglich – das ist die Maxime für alle Menschen, die an Rheuma leiden. Auch Kinder sollten sportlich aktiv sein, so ihr Krankheitsbild es zulässt, sagt Professor Dr. Ulf Müller-Ladner von der Universität Gießen. Wie bei den Erwachsenen gilt: Starke Stoßbelastungen für die Gelenke sollten vermieden werden, aber grundsätzlich ist alles erlaubt, was Spaß und keine Schmerzen macht. Sowohl die Erscheinungsformen der verschiedenen rheumatischen Erkrankungen wie auch ihre Behandlung sind bei Kindern und Erwachsenen ähnlich, erklärt Professor Müller-Ladner. „Treten entzündliche Gelenkerkrankungen im Kindesalter auf, verlaufen sie einerseits oft heftiger, weil das Immunsystem von Kindern noch aktiver ist; andererseits gehen die Gelenke aber nicht so schnell kaputt“, so der Rheumatologe. Bei der Therapie müsse man noch mehr als bei Erwachsenen darauf achten, möglichst schnell möglichst gute Effekte zu erzielen.
Spezial-Trainingsgruppe statt Schulsport
„Kinder können meist besser mit Einschränkungen umgehen, aber sie leiden mindestens genauso wie Erwachsene“, weiß Professor Müller-Ladner aus Erfahrung. Auch an der Stelle kann Bewegung helfen: Aktiv sein vermittelt ein positives Gefühl. Vor allem, wenn es in einer Gemeinschaft erlebt wird. Vom Schulsport sind Kinder mit rheumatischen Erkrankungen zwar befreit, aber es gibt zum Beispiel spezielle Funktionstrainingsgruppen für Kinder. Dort leiten extra ausgebildete Therapeuten die Betroffenen an, das zu tun, was ihnen gut tut: gezielte Bewegung ohne Fehlbelastungen nämlich.
Alle Übungen oder Sportarten mit einer Maximalbelastung für die Gelenke sind tabu, erläutert Professor Müller-Ladner: Trampolinspringen, Kunstturnen oder Eiskunstlaufen zum Beispiel. Ein rheumakrankes Kind sollte lieber schwimmen gehen, statt Kickboxen zu trainieren, rät der Experte.
Lehrer und Mitschüler informieren
Was im konkreten Fall infrage kommt, ist aber durchaus unterschiedlich und sollte mit dem behandelnden Arzt – nach Möglichkeit einem erfahrenen Kinder-Rheumatologen – abgesprochen werden. Es sei wichtig, dass das Kind nicht das Gefühl bekommt: Ich bin krank, ich darf mich nicht bewegen, ich bin ausgeschlossen.
Für das Kind selbst, aber auch für Eltern, Geschwister, Lehrer und Mitschüler ist Information entscheidend. Dass bei Rheuma zum Beispiel morgens oft die Schmerzen am schlimmsten sind, das Kind eine längere Anlaufzeit braucht als seine Klassenkameraden und deshalb auch mal zu spät kommt oder warum es eben nicht so einfach beim Sport mitmachen kann wie alle anderen – das sollte allen Beteiligten möglichst gut erklärt werden.
Die Deutsche Rheuma-Liga hat Informationsmaterial für Lehrer und Erzieher zusammengestellt und in jedem Fall rät Professor Müller-Ladner allen Eltern, mit ihren Fragen zum Kinder-Rheumatologen zu gehen. „Schreiben Sie alles auf, was Sie wissen wollen und wenn etwas nicht funktioniert, dann fragen Sie noch einmal“, sagt der Mediziner.


