Helfen will gelernt sein
Was ist eigentlich in einem Notfall zu tun?
Der Nachbar fällt von der Leiter oder jemand bricht in der Fußgängerzone unter Schmerzen zusammen – Unfälle sind schneller geschehen, als man denkt. Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge kommt es meist im Haushalt oder in der Freizeit zu Verletzungen. Autounfälle, an die viele beim Wort „ Unfall“ denken, sind dagegen vergleichsweise selten. Doch hier wie da stellt sich die Frage: Was tun?
Ruhe bewahren
Zunächst einmal gilt: Wer kopflos vorgeht, kann nicht richtig helfen. Es ist sehr wichtig, Ruhe zu bewahren und zunächst einmal die Situation zu erfassen. Wer ist betroffen? Befinden sich die Betroffenen in akuter Gefahr? Wenn Sie bemerken, dass andere Umstehende blind zu Hilfe kommen, sollten Sie sie aufhalten. Sprechen Sie die Betroffenen an. Beruhigen Sie auch die Umstehenden und fordern Sie am besten gezielt einzelne Personen auf, mitzuhelfen.
Kommunikation ist wichtig
Das Vertrauensverhältnis zwischen Unfallopfer und Helfer ist nicht zu unterschätzen. Die Betroffenen befinden sich in einer emotionalen Extremsituation – sie könnten daher aggressiv und irrational reagieren. Umso wichtiger ist es, sie richtig anzusprechen und nicht weiter zu verunsichern.
Das DRK rät: Knien Sie sich vor das Unfallopfer, stellen Sie Blickkontakt her und stellen Sie sich vor. Fragen Sie nach dem Namen, was passiert ist und wie sich der Betroffene fühlt. Erklären Sie, dass Sie helfen möchten. Als Helfer sollten Sie beruhigend auf den Betroffenen einwirken, denn er ist schon aufgeregt genug. Körperkontakt hat häufig eine beruhigende Wirkung. Wenn Sie können, fassen Sie dem Betroffenen im Gespräch leicht an die Schulter oder den Arm.
Ansprechbare Personen sollten über jeden Schritt der Hilfeleistung informiert werden. Teilen Sie dem Betroffenen daher mit, wenn Sie ihn bewegen oder eine Verletzung betrachten möchten. Fragen Sie vorher um Erlaubnis, wenn Sie etwa ein Kleidungsstück ausziehen müssen. Häufig sind die Betroffenen sogar in der Lage, selbst mitzuhelfen, wenn sie etwa aus einem Gefahrenbereich bewegt werden müssen.
Notruf – aber wie?
Seit 2008 existiert EU-weit eine genormte Notrufnummer: Mit 112 können Helfer im gesamten Bereich der Europäischen Union Rettungswagen und Feuerwehr bestellen. Nationale Notrufnummern bleiben zusätzlich bestehen, in manchen Teilen Deutschlands dient außerdem die Nummer 19222 als Notrufnummer. Außerhalb der EU gibt es kaum einheitliche Notrufnummern – vor einer Auslandsreise sollte man sich also über die nationalen Notrufe informieren. Im Fall einer Vergiftung sollte nach dem Notruf die Informationszentrale für Vergiftungen unter (0228) 19240 informiert werden.
Die bundesweiten Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr und Notarzt) können von jedem Telefon in Deutschland aus kostenlos angerufen werden. Mittlerweile werden die meisten Notrufe vom Mobiltelefon aus abgesetzt. Der Notruf ist aus jedem Handynetz möglich und benötigt kein Guthaben. Bis Mitte 2009 ist dafür nicht einmal eine gültige SIM-Karte nötig. An Autobahnen finden sich im Abstand von zwei bis vier Kilometern Notruftelefone.
Die fünf W
Die Telefonisten in der Notrufzentrale benötigen möglichst genaue Informationen, um die nötigen Rettungsmaßnahmen so schnell wie möglich ans Ziel zu bringen. Achten Sie deshalb beim Anruf darauf, dass Sie diese vier Fragen beantworten können:
- Wo ist der Unfall?
- Was ist geschehen?
- Wie viele Personen sind zu versorgen?
- Welche Verletzungen sind zu versorgen?
Legen Sie anschließend nicht sofort auf, sondern warten Sie zunächst auf Rückfragen. Nachdem Sie den Notruf abgesetzt haben, sollten Sie sich wieder dem Verletzten widmen. Achten Sie darauf, dass er nicht friert, fragen Sie ihn nach Verletzungen, die behandelt werden müssen. Außerdem sollten Sie weiterhin versuchen, ihn zu beruhigen und ihn keinesfalls alleine lassen.


