Gezieltes Üben lichtet den Rechtschreibdschungel
Viele Fehler beim Lesen und Schreiben, keine Freude am Lernen – wenn Eltern sich über diese Tendenzen bei ihrem Kind Sorgen machen, sollten sie Hilfe suchen. (Foto: Bilderstöckchen/Fotolia)Kinder mit Lese-/Rechtschreibschwäche brauchen Motivation und viel Zeit zum Lernen
Eine Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) wird häufig erst im Grundschulalter festgestellt. Dietlinde Schrey-Dern, Referentin für Sprachförderung und Logopädie beim Deutschen Bundesverband für Logopädie, rät zu einer möglichst schnellen Diagnostik, um die Spannungen in der Schule und die emotionalen Belastungen für das betroffene Kind nicht zu groß werden zu lassen.
Ganz wichtig sei auch der Rückhalt in der Familie: „Sobald Eltern merken, dass ihr Kind beim Lesen und Schreiben viele Fehler macht, keine Freude beim Lernen entwickelt und sie beginnen, sich Sorgen zu machen, sollte ein Gespräch mit dem Lehrer geführt werden“, sagt Dietlinde Schrey-Dern. Stellt auch der Lehrer fest, dass das Kind Probleme beim Unterscheiden und Schreiben einzelner Buchstaben (wie b und p) hat, sie auslässt oder sinnfrei hinzufügt, sollte professionelle Hilfe gesucht werden.
Viele Kinder mit einer Lese-/Rechtschreibschwäche haben schon im Vorschulalter eine Sprachentwicklungsstörung. In diesen Fällen kann der Kinderarzt zu einem Logopäden überweisen. Geht das Problem nicht eindeutig auf eine Sprachentwicklungsstörung zurück, sollten sich die Eltern an einen LRS-Therapeuten wenden. Der Bundesverband Legasthenie gibt auf seiner Webseite (www.bvl-legasthenie.de) Hinweise zu ausgebildeten Therapeuten.
Individuelles Förderkonzept
„Ein hoher Prozentsatz der Lese- und Rechtschreibschwäche steht in Zusammenhang mit einer Sprachentwicklungsstörung“, weiß Dietlinde Schrey-Dern. Diese Kinder haben Probleme mit der kognitiven Verarbeitung der Lautstruktur, sie können zum Beispiel nicht zwischen stimmlosen und stimmhaften Lauten unterscheiden. An dieser Lautschwäche müssen sie intensiv arbeiten, um Silbenstrukturen wahrnehmen zu können.
Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche müssen lernen, ihr Defizit anzunehmen. Das gelingt, indem ihre Lesekompetenz gestärkt und die Rechtschreibung logisch Schritt um Schritt aufgebaut wird. Wichtig: Jedes Kind braucht ein individuelles Therapie- und Förderkonzept. „Jede Therapieform, die nur kurzfristig das Hör- und Sehverständnis trainiert, ist wenig hilfreich für einen nachhaltigen Erfolg“, weiß die Logopädin.
Das Kind für Bemühen loben
Tipp für Eltern: Dem Nachwuchs niemals signalisieren, dass er ein Versager ist. Es gibt viele spielerische Methoden (Nomen-Memory, Scrabble, Wort-Kniffel), Buchstaben zu üben. „Dabei ist es wichtig“, sagt Schrey-Dern, „das Kind für sein Bemühen zu loben, auch wenn es zunächst keinen sichtbaren Erfolg gibt.“ Es braucht Selbstvertrauen, um strukturiert lernen zu können.
Zum Lernen bewährt hätten sich beispielsweise Farben zum Hervorheben und Strukturieren, Karteikästen eignen sich prima für schwierige Wörter. Außerdem: Für das Kind ist es zunächst leichter wortweise und nicht satzweise zu lesen. Es sollten stets neue Texte verwendet werden, weil jüngere Kinder schnell auswendig lernen. Wichtig ist zudem, dass die Eltern sich für ihr Kind in der Schule stark machen: Es sollte zum Beispiel in der Klasse vorne sitzen, damit es weniger abgelenkt wird und es sollte nur freiwillig vorlesen oder an die Tafel gehen müssen. Die seelische Gesundheit des Kindes ist schließlich wichtiger als gute Schulnoten.

