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Demenzpatienten verstehen lernen

Zeit, Zuwendung und Verständnis sind bei der Pflege von Demenzkranken wichtig. (Foto: S. Griessel/Fotolia)Zeit, Zuwendung und Verständnis sind bei der Pflege von Demenzkranken wichtig. (Foto: S. Griessel/Fotolia)

Pflegende sollten sich professionelle Hilfe holen.

Je mehr eine Demenz fortschreitet, desto stärker wird der Betroffene von den Menschen abhängig, die sich um ihn kümmern. Für die ist laut Professor Sabine Bartholomeyczik vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen vor allem eins wichtig: Verstehen, was mit den Betroffenen passiert. Insbesondere pflegende Angehörige müssen zudem lernen, nicht nur Nähe zu geben, sondern auch Distanz zu wahren. Pflegebedürftige Menschen brauchen Zeit und Zuwendung, sagt Professor Bartholomeyczik. Die Pflege von Demenzkranken werde außerdem durch den zunehmenden Gedächtnisverlust und kognitive Einschränkungen erschwert. „Wenn dann jemand versucht, etwas hopphopp auf die Schnelle zu machen, kann das Widerstand hervorrufen“, erläutert die Professorin für Pflegewissenschaft.

Besonders zu Beginn der Erkrankung ist den Betroffenen selbst bewusst, dass sie immer mehr vergessen. Dies verunsichere sie zutiefst und könne zu Depressionen wie auch zu falschen Verdächtigungen gegenüber der Umwelt führen.

Wiederkehrende Verhaltensmuster

Gewisse Verhaltensweisen stellen sich laut der Expertin im Lauf der Erkrankung bei fast allen Demenzkranken ein: Sie werden aggressiv, schreien oder sind scheinbar ohne Grund außer sich und auch körperlich agitiert, also sehr aktiv. Auf all dies müssen sich Pflegende einstellen – Verwandte und professionelle Kräfte wie ambulante Pflegedienste gleichermaßen.

„Wichtig ist, zu verstehen, warum die Person das macht“, betont Bartholomeyczik. Die Antwort auf dieses „Warum“ sei häufig, dass sich demente Menschen einfach nicht mehr ausdrücken können. Um die Verständigung zu erleichtern, empfiehlt die Buchautorin Dr. Sabine Engel, den Demenzkranken zur Kommunikation zu animieren.

Das heißt: Die Angehörigen und Pflegenden sollten nicht auf Fehler oder Defizite hinweisen, sondern kurze, einfache Sätze benutzen, eindeutige Mimik und Gestik einsetzen oder bei Wortfindungsproblemen vorsichtig Hilfestellung geben.

Pflegedienste entlasten

Je besser der Pflegende den Betroffenen beziehungsweise dessen Biografie kennt, desto leichter lässt sich das Verhalten unter Umständen einordnen. In jedem Fall gilt: „Sie müssen lernen, sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen“, sagt Professor Bartholomeyczik. „Das Verhalten ist Teil der Krankheit und für den Betroffenen selbst manchmal erschreckend. Die emotionale Kontrolle geht einfach verloren.“

Wer als Angehöriger einen Demenzkranken pflegt, sollte sich möglichst frühzeitig Unterstützung holen, etwa durch einen Pflegedienst. Diese Hilfe kann je nach Bedarf ganz unterschiedlich häufig und intensiv sein. „Studien zeigen, dass Menschen länger in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können, je früher professionelle Beratung hinzukommt“, erklärt Bartholomeyczik.

Zuvor sei aber noch etwas anderes wesentlich: dass über die Erkrankung gesprochen wird. „Wenn die Diagnose gestellt ist, wird sie häufig ignoriert“, weiß die Expertin. Damit lässt sich nichts aufhalten, sondern es geht nur wertvolle Therapiezeit verloren.

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