Chemotherapie bei Dickdarmkrebs
Wie spezielle Therapeutika im Kampf gegen die Krebszellen helfen. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Andreas Neubauer, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg.
Allgemeines: Tumorerkrankungen werden in den Industrieländern immer häufiger. Die meisten Tumorerkrankungen müssen als durch unsere Lebensweise verursacht gelten. Beim Dickdarmtumor stehen Übergewicht, Fettsucht, Zuckerkrankheit, Bewegungsmangel aber auch das Rauchen an erster Stelle (= sporadische Dickdarmtumoren). Nur selten ist Dickdarmkrebs eindeutig angeboren. Dickdarmtumore entstehen in der drüsenbildenden Schleimhaut des Dickdarms. Während für die Operation und auch die Strahlentherapie für Mastdarm- (=Rektum) und Dickdarmkrebs (=Colon) verschiedene Behandlungsstrategien verfolgt werden, ähnelt sich die medikamentöse Therapie besonders bei fortgeschrittenen Stadien für beide Erkrankungen sehr. Grundlage für eine korrekte Tumortherapie ist immer die eindeutige mikroskopische (histologische) Gewebediagnose, die beim Dickdarmkrebs typischerweise durch ein endoskopisches Verfahren mit einer Probegewinnung (Biopsie) erreicht wird. Bei der Therapieplanung fast aller Tumorerkrankungen gilt, dass die Behandlungsergebnisse verbessert werden können, wenn Planung und Therapie in dafür spezialisierten Zentren erfolgen. Hier sitzen Vertreter der unterschiedlichen Fächer zusammen und beschließen gemeinsam die für den individuellen Patienten korrekte Therapie.
Was ist Chemotherapie? Chemotherapie beschreibt die gegen Krebszellen gerichtete Therapie, die sich auf Gabe von Medikamenten stützt. Diese Medikamente können dabei als Tabletten oder als Spritzen verabreicht werden. Verwendung finden Medikamente, die sehr häufig aus Naturstoffen, in letzter Zeit aber auch gentechnologisch hergestellt werden. Es werden verschiedene Klassen von Chemotherapeutika unterschieden. Beim Dickdarmkrebs finden vor allem ältere Stoffe wie das 5-Fluorouracil (5-FU), meist kombiniert mit dem B-Vitamin Folinsäure Verwendung. Diese beiden Medikamente werden in den letzten Jahren zunehmend mit neuen Substanzen wie Oxaliplatin oder Irinotecan (CPT-11) kombiniert. Neuerdings kommen auch noch ganz andere Medikamente zum Einsatz, welche nicht als klassische Chemotherapeutika, sondern entweder als Antikörper oder kleine Moleküle (Englisch: „small molecules“ ) charakterisiert werden. Vor allem einige moderne Antikörper haben sich auch beim Dickdarmtumor bereits einen festen Platz in der Therapie erobert. Ein Problem hierbei ist, dass trotz sehr hoher Kosten vorab nicht klar ist, welcher Patient auf eine Therapie ansprechen wird (bei einer Antikörperbehandlung können während einer viermonatigen Therapie schnell 40.000 Euro an Kosten entstehen).
Prof. Dr. med. Andreas Neubauer
Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg; Sprecher des Comprehensive Cancer Center Marburg Anmerkung der Redaktion: Die Verfasser von Gastbeiträgen erhalten keine finanziellen Zuwendungen.

