Bluthochdruck: Arterien veröden statt Pillen schlucken
Für Bluthochdruck gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Bei einer hartnäckigen Hypertonie kommt eine Denervation infrage. (Foto: N-Media-Images/Fotolia) Die Denervation ist ein recht neuer Therapieansatz alternativ zu Medikamenten.
Die Therapie von Bluthochdruck (Hypertonie) setzt bislang vor allem auf zwei Dinge: die Veränderung des Lebensstils und eine medikamentöse Behandlung. Ein relativ neues nicht-medikamentöses Verfahren zur Blutdrucksenkung ist die sogenannte Nierenarterien-Denervation. Dabei werden Nerven in den Nierengefäßen gezielt verödet, erklärt Kardiologe Dr. Siegfried Eckert von der Deutschen Hochdruckliga. Wirklich neu ist das Verfahren aber eigentlich nicht: Schon seit etwa 50 Jahren weiß man, dass sich mit einer Stimulation der sogenannten Barorezeptoren in der Halsschlagader der Blutdruck verändert, sagt Dr. Eckert. Die Nervenenden in den Gefäßwänden registrieren nämlich den Druck des Blutes.
Ähnliche Strukturen finden sich auch in den Leber- und Nierenarterien. Ein anschauliches Beispiel dafür: Kassiert ein Boxer den berühmten Leberhaken, geht er in die Knie. Das passiert, weil vom getroffenen Nervengeflecht Impulse ans Gehirn gehen, die den Blutdruck schlagartig absacken lassen, erläutert der Kardiologe.
Strom schaltet Nervenenden aus
Die Niere eignet sich gut für einen Eingriff, weil man einen Katheter ohne großen Aufwand über die Leistenarterie einführen kann, so Dr. Eckert. Dazu ist nur eine Punktion (ein Einstich) mit einer dünnen Nadel nötig. In den Nierenarterien wird dann an unterschiedlichen Stellen (vier bis sechs auf jeder Seite) mit hochfrequentem Strom gearbeitet, um die sogenannten „renalen sympathischen Nerven“ auszuschalten.
Die Stromimpulse erwärmen die Katheter-Spitze auf etwa sechzig Grad. Diese Wärme zerstört Eiweißstrukturen und somit die Nervenenden in den Nierengefäßen. Damit ist gewissermaßen ein Teil des Schaltkreises unterbrochen: die verstärkte Aktivität des sympathischen Nervensystems nämlich, die eine wichtige Rolle beim Bluthochdruck spielt.
Bislang gibt es keine Langzeitverläufe
Bis der zu hohe Blutdruck mit dieser Methode tatsächlich absinkt, können bis zu sechs Monate vergehen, erklärt Dr. Eckert. Man kenne außerdem noch keine Langzeitverläufe. Aber man werde das Verfahren in naher Zukunft vermehrt anwenden, da bei vielen Hypertonikern der Blutdruck trotz aller Bemühungen nicht in die gewünschten Zielbereiche abgesenkt werden kann, so der Experte. Genau diesen Patienten ist die „renale Denervation“ auch vorbehalten: Menschen, die an schwer einzustellender Hypertonie leiden und bei denen mindestens drei Medikamente über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend wirken (das heißt, der Blutdruck sinkt nicht unter 160/90 mmHg).
Zukunftsmusik sei die Idee, in die Steuerungsprozesse direkt im Gehirn anzusetzen, um eine dauerhafte Blutdrucksenkung zu erreichen, sagt Dr. Eckert.

