Blutdruck messen will gelernt sein
Die Werte schwanken nach Kaffeegenuss oder bei Hektik.
Wenn das Messgerät einmal einen erhöhten Blutdruckwert anzeigt, bedeutet das noch nicht, dass man tatsächlich unter Bluthochdruck (Hypertonie) leidet. Viele Faktoren können den Blutdruck kurzzeitig erhöhen – sportliche Betätigung zum Beispiel, aber auch Aufregung oder Kaffee und Nikotin. Damit eine Hypertonie diagnostiziert werden kann, sollte mindestens dreimal an zwei verschiedenen Tagen – idealerweise beim Arzt – gemessen werden, sagt Dr. Siegfried Eckert von der Deutschen Hochdruckliga. Von Hochdruck spricht man bei Werten über 140/90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule).
Jede Messung ist eine Momentaufnahme
„Jede Messung ist eine Momentaufnahme und unterliegt Schwankungen“, erläutert Dr. Eckert. Das Gesamtbild sei wichtig. Eine sichere Diagnose habe man, wenn der Blutdruck über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich vom Patienten selbst kontrolliert wird und dabei mehr als 25 Prozent der Werte über 135/80 mmHg liegen. Wer bei zwei Gelegenheitsmessungen einen systolischen (oberen) Wert über 160 hat, bei dem könne man bereits von einer Hypertonie ausgehen, so der Kardiologe. Oft ist aber eine Langzeitmessung sinnvoll. Dabei trägt man für 24 Stunden ein Gerät bei sich, das über eine Druckmanschette am Oberarm den Blutdruck in regelmäßigen Abständen misst.
Bei der sogenannten auskultatorischen Messung (das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „horchen“) pumpt man eine Manschette am Oberarm manuell auf. Während der Druck langsam wieder abgelassen wird, kann der Blutdruck mithilfe eines Druckmessers und eines Stethoskops bestimmt werden. Automatische Geräte, die anhand von Schwingungen (oszillometrisch) messen, gibt es für den Oberarm oder fürs Handgelenk. Letztere sind einfacher zu handhaben, sagt Dr. Eckert.
In Ruhe und auf Herzhöhe messen
Egal, ob man den Blutdruck beim Arzt messen lässt oder zuhause: Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen, erklärt Dr. Eckert. Gemessen werden sollte immer in Ruhe – sowohl, was den Patienten angeht, wie auch die Umgebung – und zweitens in Herzhöhe. Zuhause also erst einmal mindestens drei Minuten hinsetzen, bevor man sich das Gerät anlegt, rät der Arzt. Hat man zuvor Sport getrieben, sollte man mindestens eine halbe Stunde warten, bis sich der Blutdruck normalisiert hat.
Die größte Fehlerquelle ist indes die Haltung des Arms, an dem gemessen wird. Befindet sich der Arm nur 20 Zentimeter unterhalb des Herzens, weichen die Werte bei der Messung am Handgelenk bereits um 20 mm/Hg ab, sagt Dr. Eckert. Hochhalten wäre allerdings auch verkehrt, weil sich dann die Muskulatur anspannt und dies ebenfalls den Wert verfälscht. Tipp: Den Arm, an dem gemessen wird, auf einem Tisch vor sich ablegen.
Wie beim Zähneputzen gilt auch beim Blutdruckmessen zur Kontrolle: zweimal täglich mindestens. Am besten einmal morgens – vor der Medikamenteneinnahme – und einmal abends, zwischen 18 und 20 Uhr.


