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„Kneippsche Güsse sind ein ideales Gefäßtraining“

Beim kalten Knieguss führt man den Wasserstrahl vom Fußrücken zur Ferse und an der Wade entlang nach oben. (Foto: E. Valentin/Fotolia)Beim kalten Knieguss führt man den Wasserstrahl vom Fußrücken zur Ferse und an der Wade entlang nach oben. (Foto: E. Valentin/Fotolia)

Der Knieguss gilt als bewährtes Mittel bei Krampfadern.

„Kalte und warme Wechselduschen sowie das Gehen im Wasser tun den Venen gut und fördern die Durchblutung“, sagt Professor Dr. Hans-Joachim Günther, Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie in Nürnberg und Präsident der Deutschen Gesellschaft Venen. Die Erkenntnis ist nicht neu: Dass Wasseranwendungen wie auch Pflanzen eine heilende Wirkung haben, fand schon der Naturheilkundler Sebastian Kneipp (1821-1897) heraus und fasste dies zu einer systematischen Lehre zusammen. Die Wirkung der Kneippschen Wasseranwendungen beruht auf einer Stärkung der Selbstheilungskräfte durch milde bis kräftige Reize. Die vom Wasser ausgehenden kalt-warmen Temperatureinflüsse regen den Blutkreislauf an, fördern den  Stoffwechsel und sollen den Körper entschlacken helfen. Es gibt eine Vielzahl von Anwendungen, Waschungen und Güsse, die Venenpatienten laut Professor Günther gut in den Alltag integrieren können. Durch regelmäßige Güsse ließen zum Beispiel Krampfadern verbessern und auch verhindern.

Die Durchblutung wird angekurbelt

Am einfachsten lassen sich die Güsse in der Badewanne oder Dusche ausführen. Sie können kalt, temperiert, wechselwarm oder temperaturansteigend erfolgen. „Für empfindliche Personen hat es sich bewährt, den ersten Kaltreiz temperiert und erst den zweiten ganz kalt zu verabreichen“, sagt Professor Günther. Kalte Güsse bewirken zunächst eine Engstellung der peripheren Blutgefäße. Die kurz darauf einsetzende Gegenreaktion führt zu einer wellenartigen Entspannung der Gefäße, was die Durchblutung im behandelten Bereich steigert.

Bei Wechselgüssen gibt es entgegengesetzte Gefäßreaktionen. Bei der äußeren Wärmeanwendung kommt es zu einer passiven Gefäßerweiterung, die den Blutdruck senkt. Darüber hinaus sorgt eine erhöhte Herzfrequenz für eine beschleunigte Blutzirkulation und einen gesteigerten Wärmetransport.

Wasserstrahl an der Wade entlang

„Kneippsche Güsse sind ein ideales Gefäßtraining, regen das Herz-Kreislaufsystem an und erhalten die Elastizität der Gefäße“, weiß Professor Günther. Kalte Kniegüsse, aber auch Schenkelgüsse, hätten sich hervorragend zur Prophylaxe und kurativen Behandlung bei Venenerweiterung bewährt. Bei akuten Nieren- und Blasenerkrankungen sollten jedoch keine Kniegüsse erfolgen.

Beim Knieguss führt man den Wasserstrahl grundsätzlich über den Fußrücken zur Ferse, von dort an der Wade hoch bis zur Kniekehle. Dann führt man ihn an der Innenseite wieder zurück zur Ferse. Der Knieguss gehört trotz seiner kleinen Flächen zu den sehr wirksamen Anwendungen. Er eignet sich dem Professor zufolge auch als Training und Abhärtung bei Neigung zu kalten Füßen. Bewährt habe sich der Knieguss zudem bei venösen Durchblutungsstörungen und Krampfadern.

Wichtig sei, dass die kalten Güsse nur am warmen Körper erfolgen. Das Besondere der Kneippschen Güsse ist, dass sie mit einem drucklosen Wasserstrahl einen thermischen Reiz auslösen. Die Dauer eines kalten Gusses beträgt im Allgemeinen 40 bis 60 Sekunden.

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